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Speakeasy #14: Ampel-Aus, Trump-Wahl, Philosophische Fragen u. v. m.

🕑 Added 2024-11-15 17:22:42 +0000 UTC
Speakeasy #14: Ampel-Aus, Trump-Wahl, Philosophische Fragen u. v. m.

Comments

Martin Unland Elorrieta

Es ist beeindruckend, wie unterschiedlich unsere intuitiven Vorstellungen vom freien Willen sein können. Ich glaube man muss die Sachen etwas trennen, Determinismus, das Ich und Moral: 1) Wenn wir mit dem Determinismus beginnen, sollte es meiner Meinung nach wenig Streitpunkte geben. Es ist klar, dass Gedanken ein Produkt von Gehirnprozessen sind und somit von ihrer Chemie abhängen. Chemie und Physik sind zu 100 % deterministisch – abgesehen von den zufälligen Effekten der Quantenmechanik. Aber ich glaube (oder hoffe), niemand würde den freien Willen auf reine Zufälligkeit reduzieren. Wie die Chemie des Gehirn funktioniert, hängt von Genen und Environment ab, sonst gar nichts mehr. 2) Der Grund, warum Menschen an den freien Willen glauben, ist das starke Gefühl eines „Ichs“. Dieses Gefühl entsteht im Bewusstsein – wie jede andere Empfindung oder Emotion –, kann aber auch verschwinden, etwa wenn man im „Flow“ ist oder völlig in einen Film eintaucht. Gerade wenn ein Film langweilig ist, kehrt das Gefühl des „Ichs“ zurück. Doch dieses Ich ist letztlich nur eine Illusion. Mit Drogen oder Meditation kann man es sogar bewusst auslöschen (ich habe Erfahrung mit beidem). Ohne dieses Gefühl ergibt der freie Wille keinen Sinn mehr. Vielleicht ist dies der Grund warum wir komplett anderer Meinung sind... Darüber hinaus zeigen Studien, dass Entscheidungen im Gehirn bereits Sekundenbruchteile vor dem bewussten Erleben getroffen werden. Das bedeutet: Das Gehirn erledigt die Arbeit – wir erhalten nur später die fertige Lösung. Wo ist hier der freie Wille? Kleine Übung: Sag mir den Titel eines Buches. Dein Gehirn hat wahrscheinlich einen oder mehrere Titel vorgeschlagen. Hattest du wirklich die Möglichkeit, eine andere Wahl zu treffen? Nein – es taucht einfach etwas im Bewusstsein auf, und du kannst nicht beeinflussen, was genau. 3) Moral. Ändert die Frage, ob wir einen freien Willen haben oder nicht, etwas an moralischen Fragestellungen? Ich denke nicht. Warum sollte sie? Die Tatsache, dass wir selbstbewusste Wesen mit der Fähigkeit zu lieben und zu leiden sind, bleibt unabhängig von der Frage nach dem freien Willen bestehen. Was sich allerdings ändert, ist die Schuldfrage: Kann man jemandem noch Vorwürfe machen, wenn er letztlich nichts gegen sein eigenes Verhalten tun kann? In der Praxis soll aber unser Rechtssystem weniger auf dem Konzept eines absoluten freien Willens basieren als vielmehr auf der Notwendigkeit, Gesellschaften stabil zu halten. Menschen werden nicht nur bestraft, weil sie „moralisch schuld“ sind, sondern auch, um zukünftiges Fehlverhalten zu verhindern; sei es durch Abschreckung, Resozialisierung oder den Schutz der Gesellschaft.

Leo

Könnt ihr mal eine Folge zur Staatsverschuldung in Frankreich machen und das ganze in Bezug zur Schuldenbremse stellen?


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